Börse: Geld verdienen ganz einfach!

An der Börse Geld zu verdienen ist ganz einfach: Man muss bei niedrigen Kursen einsteigen, und bei hohen aussteigen. Warum passiert so häufig das Gegenteil?

Begleiten wir den Anleger Edmund Zögerlich.

Zögerlich wollte nie in Aktien investieren, weil Aktien ja spekulative Papiere sind, und mit Spekulation will er gar nichts zu tun haben. Aber irgendwie juckt es ihn doch. Der Index steigt und steigt. Kollegen von Edmund, die auch nie Aktien kaufen wollten, steigen ein, erscheinen mit strahlendem Gesicht im Büro, zücken ihre Taschenrechner und stellen fest, um wie viel reicher sie geworden sind. Zögerlich zögert. Schließlich kann es ja auch wieder abwärts gehen an der Börse.

Der Index steigt weiter, er ist jetzt schon in Höhen angelangt, wo man ihn niemals vermutet hätte. Die Zeitungen stehen voll davon, wie sehr der Index steigt und wie gut die Rahmenbedingungen dafür sind, dass er noch weiter steigt.

Zögerlich überlegt, was er sich alles leisten könnte, wenn er rechtzeitig eingestiegen wäre. Irgendwann hält Zögerlich das nicht mehr aus: "Alle werden reich, bloß ich nicht." Also geht er zur Bank und kauft Aktien.

Was dann kommt, wissen wir leider. Wir können den Asiaten die Schuld geben, Wladimir Putin beschimpfen oder George Bush schräg ansehen. Das Ergebnis ist jedenfalls unübersehbar: Die Kurse purzeln, Panik blitzt auf, die Kollegen lassen die Taschenrechner stecken und verdrängen lieber, zu welchen Kursen sie ihre letzten Papiere gekauft haben.

Zögerlich bleibt standhaft. "Aktien sind eine langfristige Anlage“, hat die Bank gesagt. Die Börse schaukelt weiter, sie fängt sich wieder - großes Aufatmen und kracht erneut durch, aber diesmal richtig.

Die Kollegen reden jetzt über Autos und Fußball statt über Aktien. Zögerlich bleibt noch eine Weile standhaft. Aber dann geht es noch mal runter, und er stellt fest, dass er viel reicher wäre, wenn er sich auf diesen Quatsch mit den Aktien gar nicht eingelassen hätte. Schließlich hält er das alles nicht mehr aus; Zögerlich marschiert zur Bank, verkauft.

Leider sackt an dem Tag die Börse noch mal so richtig ab. Danach schaukelt sie ein paar Monate weiter, und dann geht es vorsichtig wieder nach oben.

Wie gut, dass Zögerlich nie genau nachgerechnet hat, was er da gemacht hat. Dann wäre ihm nämlich aufgefallen, dass er fast zum Höchstkurs ein- und zum niedrigsten wieder ausgestiegen ist.

Den Fehler, zum Höchstkurs einzusteigen, können wir zurzeit nicht machen. Den, zum niedrigsten auszusteigen, aber sehr wohl.

Und: Wer jetzt einsteigt, wird hingegen später feststellen, dass er recht billig gekauft hat - so, wie es sein sollte.

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Angelika Lorenz Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbüro | info@a-lorenz.de